3 Fragen nach 6 Monaten an Peter Füssenich, Dombaumeister in Köln

Januar 2016Juli 2016

Seit dem 19. Januar 2016 ist Peter Füssenich neuer Leiter der Dombauhütte in Köln. 6 Monate später stellt Follow Up ihm 3 Fragen. 

1. Sie sind seit einem halben Jahr im  Amt. Was kann man in dieser Zeit am Dom überhaupt bewerkstelligen – oder sind 6 Monate gar kein Zeitraum, in dem Sie denken?

Man kann ja nicht nur in Jahrhunderten denken. Wichtig sind immer die nächsten konkreten Schritte, die zu einem langfristigen Ziel führen. Klar ist, dass man von seinen Vorgängern Baustellen erbt, die weitergeführt werden müssen. Es gibt Arbeiten, die in den Werkstätten der Dombauhütte jahrelang vorbereitet und vorgefertigt werden, bevor man am Dom etwas davon sieht. Die Zeiträume am Dom sind naturgemäß etwas langfristiger.

Andererseits gibt uns der Dom vor, was künftig getan werden muss. Aufgabe des Dombaumeisters ist es dann, die Prioritäten zu setzen. Mit fast 100 Mitarbeitern der Dombauhütte geschieht in einem halben Jahr ziemlich viel auch parallel. Wir haben unter anderem im letzten Jahr eine neue Baustelle auf der Südseite des Domes eingerichtet, die dort für mehrere Jahre bestehen wird: dabei geht es um die Sanierung der Strebewerke. Hier sind neben Witterungsschäden immer noch viele Kriegsschäden zu reparieren. Auch auf Jahre und Jahrzehnte hin.

2. Sie sind bereits seit 2012 an der Dombauhütte. Wird die Dauerbaustelle Dom nicht irgendwann langweilig?

Über Langeweile kann wohl kein Mitarbeiter am Dom klagen. Die Aufgaben sind vielfältig. Der Dom ist ein Gebäude, das so viel Geschichten und Geschichte in sich trägt, dass ich bisher noch jeden Tag etwas entdeckt habe, das ich bisher nicht kannte. Vermutlich geht mir das bis zu meiner Pensionierung so. Also: keine Langeweile in Sicht.

3. Kleiner Ausblick: Welche Projekte sind für das nächste halbe Jahr geplant? Welche beginnen, welche enden?

Die aktuellen Baustellen werden weiter laufen. Viele der Bauprojekte am Dom sind über mehrere Jahre angelegt. Im letzten halben Jahr konnten wir mit den Sanierungsarbeiten am Nordturm beginnen, an der Stelle, an der sich das große Hängegerüst befindet. Hier werden neben den Sanierungsarbeiten am Turm selber zwei der großen Engel in 80 Metern Höhe neu angefertigt. Allein die Bildhauerarbeiten für einen solchen Engel benötigen weit mehr als ein Jahr.

Ein großes Projekt ist auch die Planung für den Neubau des Verwaltungsgebäudes der Dombauhütte am Roncalliplatz in Kooperation mit dem Römisch-Germanischen Museum und dem Kölnischen Stadtmuseum: die Historische Mitte Köln. Derzeit findet ein europaweiter Architektenwettbewerb statt. Das Ergebnis erwarten wir Ende des Jahres. Es bleibt spannend.

Peter Füssenich (Jg. 1971), Architekt und Denkmalpfleger, leitet seit 6 Monaten die Kölner Dombauhütte.
Foto: Dombauhütte Köln/Foto: Mira Unkelbach

Bildrechte: Von Tobi 87 – Eigenes Werk, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6758854 (Titel)

Über den Autor

David Korsten

*1982, freier Autor und Journalist in Köln

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