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Köln: Radfahrer dürfen auf die Straße – nur wann?

Oktober 2015April 2016

Was der Verkehrsausschuss des Kölner Stadtrats am 27. Oktober 2015 beschloss, sorgte auch überregional für Aufmerksamkeit. Einstimig folgte der Ausschuss einem Antrag von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, FDP sowie den Gruppen Piraten und Deine Freunde und forderte die Kölner Stadtverwaltung auf, zügig die Radwegebenutzungspflicht – wo möglich – in der Stadt aufzuheben und auf den zentralen Ringen die entsprechenden Schilder „schnellst möglich“ zu beseitigen. Fahrradfahrer dürfen dann also überall die Straße benutzen. Im Stadtbild sieht man sechs Monate später noch keine Veränderung – wir haben nachgehakt.

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Das erste Hindu-Grabfeld in Hamm

Oktober 2015April 2016

Surya, der hinduistische Sonnengott, taucht das östliche Ruhrgebiet am 1. Oktober 2015 in ein goldenes Licht. Was an diesem Tag auf einem Kommunalfriedhof in Hamm vonstattengeht, scheint ihm zu gefallen: Priester der Hindu-Gemeinde des Sri-Kamadchi-Ampal-Tempels weihen das erste hinduistische Grabfeld in Mitteleuropa ein. Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann und andere Vertreter der Stadt, Geistliche unterschiedlicher Konfessionen, Wissenschaftler und Journalisten nehmen an der Eröffnungszeremonie teil. Dass Hindus sich überhaupt auf einem Friedhof beisetzen lassen, ist in ihrer Bestattungskultur eigentlich nicht vorgesehen. Wie ist dieser Wandel zu erklären? Wird das Grabfeld bereits genutzt? Und wie fügt es sich in die Geschichte der Hindu-Gemeinde in Hamm ein? Ein halbes Jahr nach der Eröffnung hat Follow Up sich in Westfalen umgesehen.

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Wie Hamm zum Hindu-Zentrum wurde

Mehr als 30 Jahre liegen zwischen der ersten Beisetzung auf dem eigenen hinduistischen Grabfeld in Deutschland und den Anfängen der Hammer Hindu-Gemeinde. Deren Beginn reicht zurück bis in die 1980er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Sri Lanka die Forderung der tamilischen Minderheit nach einem eigenen, unabhängigen Staat immer lauter. Das lag an der zunehmenden Benachteiligung durch die singhalesische Mehrheit. 1983 spitzte sich der Konflikt zum Bürgerkrieg zu, woraufhin viele Tamilen aus dem Land flohen.

Knapp 30.000 dieser geflohenen Menschen aus Sri Lanka trafen zwei Jahre später in der Bundesrepublik Deutschland ein. Unter ihnen war auch der Hindu-Priester Sri Arumugam Paskaran. Vor seiner Ankunft 1985 in Hamm hatte Paskaran bereits eine lange Reise hinter sich: von Sri Lanka aus nach Moskau, von dort aus nach West-Berlin. Eigentlich, erzählt er, sei Paris sein Ziel gewesen, „doch der Zug fuhr nicht weiter, sodass ich in Hamm ausgestiegen bin.“ Warum er in der damals rund 170.000 Einwohner zählenden Stadt in Westfalen den Zug verließ, bleibt in seinem Bericht undeutlich.

Fest steht jedoch, dass Mitte der 1980er Jahre bereits viele Tamilen Zuflucht in Nordrhein-Westfalen gefunden hatten. Genaue Daten für die einzelnen Bundesländer liegen aus dieser Zeit zwar nicht mehr vor, doch Schätzungen zufolge betrug der Anteil der Tamilen an Rhein und Ruhr mindestens ein Drittel der gesamten Gruppe Geflüchteter, also knapp 10.000 Menschen. Annette Willke, Professorin für Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Münster, geht sogar von noch höheren Zahlen aus. Nordrhein-Westfalen war auch deshalb attraktiv, weil die Einwanderer dort bereits legal arbeiten durften, während das Asylverfahren noch lief.

Am 25. Mai 1985 stellte Paskaran den Asylantrag in Hamm. Den Plan, dort eine Hindu-Gemeinde zu gründen, fasste er allerdings erst später: „Eigentlich wollte ich ein, zwei Jahre bleiben, warten, bis der Bürgerkrieg vorbei ist und dann wieder nach Hause gehen“, erzählt der Priester. Doch der Bürgerkrieg hörte nicht auf, nicht nach einem Jahr, nicht nach zwei Jahren, nicht nach drei Jahren – er sollte erst 2009 enden, 26 Jahre nach seinem Beginn. Paskaran blieb in Deutschland, heiratete, bekam Kinder.

Gewachsene Gemeinde, genervte Nachbarschaft

„1989 habe ich den ersten Tempel gegründet“, sagt Paskaran und meint damit einen Ort für die Andachten, die religiösen Rituale. Denn der „Tempel“ bestand lediglich aus einer Ecke in seiner Wohnung in der Lange Straße im Westen der Stadt. Nach und nach sprach sich unter den hinduistischen Tamilen in Dortmund, Münster, Bochum und anderen Städten in Nordrhein-Westfalen herum, dass es in Hamm einen Priester gibt. So wuchs die Gemeinde mit der Zeit, und der Platz reichte bald nicht mehr aus. Für 50 DM mietete er den etwa 40 Quadratmeter großen Keller des Hauses, doch auch dort wurde es für die Gemeinde bald zu eng. Als nächstes diente eine ehemalige Kegelbahn als Tempelraum. Die Miete von 500 DM bestritt er von seinem Gehalt als Sozialarbeiter und aus Spenden.

Am jährlichen Tempelfest und dem feierlichen Umzug nahmen ab 1993 schließlich bis zu dreitausend Gläubige teil. Da der Tempel mitten in einem Wohngebiet lag, traten zwangsläufig Probleme mit den Anwohnern auf: Parkplätze und Toiletten reichten nicht für so viele Menschen, die Nachbarschaft fühlte sich von der Lautstärke gestört und beschwerte sich bei der Stadt.

„Bei dem alten Tempel gab es aber auch schlicht und einfach Baumängel“, ergänzt Ulrich Kroker. Der ehemalige Lehrer kam damals mit der Hindu-Gemeinde in Kontakt und vermittelte in der Auseinandersetzung zwischen Hindus, Bürgern und Stadtverwaltung. Heute ist Kroker Mitglied des Tempelbeirats, in dem er gemeinsam mit anderen Freiwilligen die Hindu-Gemeinde bei organisatorischen und juristischen Fragen unterstützt. Als schließlich auch die Medien auf die Hindu-Gemeinde in Hamm aufmerksam wurden, wurde die Stadt selbst aktiv und half bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück.

Wichtiger Pilgerort – mitten im Industriegebiet

Das war bald gefunden, und zwar im Industriegebiet in der Siegenbeckstraße, rund anderthalb Kilometer entfernt vom RWE-Kraftwerk Westfalen. Einiges sprach für diesen Standort: Der Autobahnanschluss erleichterte den Gläubigen die Anreise – inzwischen hatte Hamm sich zu einem zentralen Wallfahrtsort für Hindus aus ganz Europa entwickelt. Auch die Nähe zum Datteln-Hamm-Kanal spielte eine Rolle. Denn Wasser ist für die rituellen Waschzeremonien erforderlich. Es sollte zwar, anders als im Kanal, eigentlich fließen. Doch das sieht die Hindu-Gemeinde mit einer Mischung aus Flexibilität und Pragmatismus offenbar nicht allzu eng.

Im Industriegebiet gehörten auch die Lärm- und Parkplatzprobleme der Vergangenheit an. Außerdem war das Grundstück deutlich günstiger als in einem reinen Wohngebiet – kein unwichtiger Faktor für eine Gemeinde, die sich ausschließlich aus Spenden finanziert. Die Randlage außerhalb der Stadt brachte wohl auch Beruhigung in der Auseinandersetzung mit den Anwohnern.

Ab dem Frühjahr 1997 fanden die Gottesdienste der Gemeinde in einem kleinen Behelfstempel statt. Das war freilich nur eine Übergangslösung, denn Paskaran plante den Bau eines großen Tempels auf dem größeren, gegenüberliegenden Grundstück. Der Hammer Architekt Heinz-Reiner Eichhorst nahm das ungewöhnliche Bauprojekt schließlich in Angriff und besichtigte dazu einen Tempel im südindischen Kanchipuram, nach dessen Vorbild der neue Tempel im Hammer Industriegebiet gestaltet werden sollte.

Die Grundsteinlegung erfolgte im März 2000, die Baukosten von etwa 1,8 Millionen Euro finanzierte die Gemeinde nach und nach aus Spenden und Darlehen. Zwei Jahre später, im Juli 2002, feierten 3.000 Hindus die Einweihung des Sri-Kamadchi-Tempels, des zweitgrößten Hindu-Tempels Europas, mit einem 13-stündigen Fest. 14 Priester aus aller Welt segneten die Tempel-Gottheit Kamadchi, die „Göttin mit den liebenden Augen“, 45 Tage dauerten die Weihe- und Eröffnungsfeierlichkeiten insgesamt. Seither finden im Tempel dreimal täglich Pujas statt. Die Gottesdienste sind öffentlich zugänglich – und zum jährlichen Tempelfest im Sommer kommen etwa 20.000 Hindus und Interessierte aus aller Welt nach Hamm.

Die Zukunft auf der A61 – Unterwegs im autonom fahrenden Lkw

Oktober 2015April 2016

Die Nachricht war prominent im Autoland Deutschland: Anfang Oktober 2015 rollte erstmals ein Lastwagen selbstständig über eine Straße in der Bundesrepublik. Daimler-Benz startete damals auf der Autobahn 8 öffentlich den Testbetrieb für autonom fahrende LKW. Bei dieser ersten Proberunde des „Highway Pilot“ hatte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann auf dem Beifahrersitz Platz genommen. Das sorgte für mediales Aufsehen. Ein halbes Jahr später fahren die Laster weiterhin durchs Land – in politischer Mission.

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Vatikan-Theologe nach Coming-out: „Die Kirche nimmt Homosexuellen ihre Würde!“

Oktober 2015April 2016

Am 3. Oktober 2015 bekennt sich Krzysztof Charamsa, Mitarbeiter des Vatikan, öffentlich zu seiner Homosexualität. Den Zeitpunkt für sein Coming-out hat der polnische Theologe bewusst gewählt, beginnt doch einen Tag später, am 4. Oktober, in Rom die Weltbischofssynode mit den Schwerpunktthemen Ehe und Familie. Auch der Umgang der Kirche mit Homosexualität soll dort diskutiert werden. Charamsa ist Dozent an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom sowie Mitglied der Glaubenskongregation.

Die Kirche reagiert prompt und entlässt Charamsa aus allen Ämtern. Der Bischof der polnischen Diözese Pelplin ermahnt den Theologen und fordert ihn auf, zum „Amt Christi“ zurückzukehren. Charamsas Sühne bleibt aus, worauf der polnische Bischof ihn am 17. Oktober 2015 vom Priesteramt suspendiert. Ein halbes Jahr später sprechen wir mit Krzysztof Charamsa über sein Coming-out, die Haltung der katholischen Kirche zur (Homo-)Sexualität – und fragen, wie sich sein Leben in den vergangenen sechs Monaten verändert hat.

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Ärzte in Kundus unter Beschuss

Alternativtext

Oktober 2015April 2016

In den frühen Morgenstunden des 3. Oktober 2015 liefern sich afghanische Spezialkräfte in Kundus heftige Gefechte mit Talibankämpfern. Diese hatten wenige Tage zuvor überraschend Teile der Stadt eingenommen. Da sich die Rückeroberung sehr zäh gestaltet, fordert die afghanische Armee Unterstützung durch die US-Luftwaffe an. Wenig später trifft ein amerikanisches AC 130-Schlachtflugzeug in Kundus ein. Seine zahlreichen Kanonen und die 105-mm-Haubitze verschießen brandauslösende Munition und Splittergeschosse. Schnell gerät das von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen betriebene Krankenhaus ins Visier. Immer wieder nimmt die Flugzeugbesatzung die Intensivstation der Klinik unter Beschuss, setzt sie in Brand und schießt auf flüchtende Ärzte und Patienten.

Wir haben mit Florian Westphal gesprochen, dem Geschäftsführer von Ärzte ohne Grenzen Deutschland. Im Interview schildert er seine Sicht der Dinge – und fordert eine unabhängige internationale Untersuchung des Klinikbeschusses.

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