Der neue 20-Euro-Schein: Denkaufgaben für Fälscher

November 2015Mai 2016

Der 500-Euro-Schein wird abgeschafft, so hat es die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang Mai beschlossen, um dunkle Geschäfte zu bekämpfen. Ein anderer Schein dagegen wurde neu auf den Markt gebracht, um Kriminelle abzuschrecken: Am 25. November 2015 lancierte die EZB den neuen Zwanziger. Die Sicherheitsstandards der Banknote gelten als weltweit führend. Zum Start Ende November waren bereits 4,3 Milliarden neuer Scheine gedruckt. Was hat sich seit Einführung dieses Scheins getan?

Wenn es um Bargeld geht, tobt ein ewiger Kampf zwischen Banken, Polizei und Verbrechern. Doch während es früher aufwändig war, falsche Münzen prägen zu lassen, ist das Fälschen von Scheinen immer einfacher geworden. Neue Technik mit hoher Leistung zu niedrigem Preis bereitet den Währungshütern und der Polizei Kopfzerbrechen. Denn mit wachsender Computer-Power und der Verbreitung hoch leistungsfähiger Bildgeräte lassen sich schnell Fälschungen von hervorragender Qualität in Umlauf bringen – und über das Darknet, dunkle Kanäle im Internet, diskret vertreiben. Die Druckstücke kommen als Paketpost ins Haus. Die Behörden wissen: Die Organisierte Kriminalität beherrscht das Geschäft und kann sich auf gute Infrastruktur stützen – selbst nach einzelnen Schlägen der Ermittler wächst sie bald wieder nach.

20-Euro-Infografik
Infografik: Thorsten Reinecke

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So ist der Kampf gegen die Fälscher nicht nur mühsam – sondern auch nie zu gewinnen. Rainer Elm vom Nationalen Analyszentrum der Deutschen Bundesbank weiß, dass auch ein neuer Schein keine dauerhafte Sicherheit bringen wird: „Die Zeiträume haben sich verkürzt.“ Doch mit der Einführung des neuen 20-Euro-Scheins hat die EZB den Kriminellen zumindest für den Moment neue Denkarbeit bereitet. Denn nach Informationen des Bundeskriminalamts (BKA) in Wiesbaden sind Fälschungen des neuen Scheines in Deutschland bislang nur in minderwertiger Qualität gefunden worden. Das bestätigt auch Rainer Elm Bundesbank. „Momentan sieht es noch relativ gut aus – aber ein halbes bis Dreivierteljahr ist meist auch die Zeit, die Fälscher für erste Fälschungen brauchen.“

Die EZB hat wie alle Zentralbanken die Pflicht, die Integrität ihrer Banknoten zu schützen. Euro-Banknoten müssen daher effektive Sicherheitsmerkmale enthalten, die für die Öffentlichkeit leicht erkennbar sind. Zudem muss die EZB den Fälschern technologisch voraus sein, indem sie die Merkmale dauerhaft sowohl in bestehenden Serien, als auch für neue Scheine fortentwickelt. Dies ist ein fortlaufender Prozess.
William Lelieveldt, EZB-Sprecher

Die EZB befindet sich dauerhaft im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität. Neue Scheine werden entwickelt, um Fälschungen zu erschweren. Aus dem Anfang Mai vom BKA veröffentlichten „Bundeslagebild Falschgeldkriminalität 2015“ geht ein starker Anstieg der „angehaltenen“, d. h. aus dem Verkehr gezogenen, Fälschungen hervor – und besonders mit Zwanzigern hatte es zuletzt immer größere Probleme gegeben: 37 Prozent der 2015 in Deutschland angehaltenen Euro-Falsifikate waren demnach Zwanziger, im Jahr zuvor waren es 32 Prozent gewesen. Insgesamt gab es in Deutschland 2015 im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung 42 Prozent bei den Falschgelddelikten. Europaweit war der alte Zwanziger zuletzt klar der Schein, der am häufigsten als Fälschung auffiel.

Die Momentaufnahme ein halbes Jahr nach Start des neuen Scheins zeigt, dass die Fälscher derzeit andere Geldmittel in Umlauf bringen: „Momentan fallen im Analysezentrum weniger Zwanziger auf, eher Zehner und vor allem Fünfziger“, sagt Rainer Elm. Das deckt sich mit Daten der EZB – denn im gesamten Euroraum sank der Anteil der falschen Zwanziger unter allen festgestellten „Blüten“ von 54,7 Prozent (erste Hälfte 2015) auf 46,2 Prozent (zweite Hälfte 2015). Es sei allerdings „zu früh, um zweifellos festzustellen, dass dies im Zusammenhang mit den neuen Sicherheitsmerkmalen steht“, erklärt EZB-Pressesprecher William Lelieveldt.

Rainer Elm von der Bundesbank meint, die neuen Scheine hätten deutlich höhere Hürden für Fälscher gebracht. Das gelte insbesondere für Gelegenheitsfälscher. „Auch für Profis ist der Aufwand höher geworden. Vor allem aber sind die Scheine einfacher zu prüfen.“ Mit ihren Sicherheitsmerkmalen wie der Smaragdzahl und dem Porträtfenster ist der Schein schwieriger zu kopieren. Allerdings sagt Rainer Elm auch, dass die meisten Fälle von Falschgeldbetrug gar nicht durch diese Features auffallen – sondern über den Tastsinn, wenn das Papier sich eigenartig anfühlt.

Es wird nie eine absolute Fälschungssicherheit geben.
Rainer Elm, Nationales Analysezentrum der Bundesbank

Die Bürger in Deutschland fühlen sich indes weiter sicher mit ihrem Bargeld – das ist empirisch vernünftig, denn es ist immer noch sehr unwahrscheinlich, dass sie Falschgeld in die Hand bekommen. Pro Jahr beträgt die Quote auf 10.000 Einwohner gerade mal zwölf Falschgeld-Scheine.

Über den Autor

Tim Farin

Freier Journalist aus Köln, 1976 geboren, Ausbildung zum Redakteur an der Deutschen Journalistenschule, München.

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