Knappe Konserven – Wie steht es um die Blutvorräte?

September 2016März 2017

Im September 2016 warnte das Deutsche Rote Kreuz (DRK): Der Vorrat an Blutspenden sei fast überall in Deutschland aufgebraucht, die Notfallversorgung in Gefahr. Die Gründe für den Engpass: Sommerferien, Fußball-EM, OIympische Spiele – und die Rekordhitze im September. Wie ist die Lage heute, ein halbes Jahr später?

Es ist 12 Uhr mittags, das DRK-Blutspendezentrum am Kölner Neumarkt öffnet seine Türen für die Menschen, die heute 500 Milliliter Blut spenden – einen halben Liter also von den 5 bis 6 Litern, die das Herz bei einem 70 Kilo schweren Erwachsenen durch die Adern pumpt. „Ich komme alle zwei Monate hierher“, sagt Helmut Beißel, 66. Der kräftige Mann aus Horrem sagt, als Kind hätten er und seine vier Geschwister von Spenden des DRK profitiert. Er will zurückgeben.

„Pro Tag kommen gut 30 Spender“, erzählt Teamleiterin Martina Schimm. Bei Dauerregen spende allerdings kaum jemand. Im vergangenen Spätsommer hielt die Hitze viele Menschen vom Spenden ab. Dieser Engpass hatte „absoluten Ausnahmecharakter“, teilt die DRK-Pressestelle mit. Die Lage sei schnell wieder normal gewesen: Etwa ein Drittel der Bevölkerung darf per Gesetz Blut spenden, drei Prozent tun dies auch – das reiche, um den Bedarf zu decken.

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Das gilt aber nicht für alle Regionen. „Angespannt“ sei die Lage noch immer in NRW, Rheinland-Pfalz und im Saarland, sagt Stephan David Küpper, Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes West. In Großstädten wie Köln gebe es weniger Spender als etwa im Oberbergischen Kreis. Warum is das so? Auf dem Land habe Blutspenden „Eventcharakter“. Man kennt sich persönlich, man geht gemeinsam Blut spenden.

Kaum noch Konserven

„Bis zu 20 Prozent der 3.500 täglich benötigten Konserven fehlen uns aktuell, um den Bedarf der Kliniken zu decken“, sagt Küpper. Die normale Versorgung im Krankenhaus sei zwar sichergestellt, weil die Kollegen aus anderen Regionen Blutkonserven schicken. In der Region West aber seien die Zahlen deutlich niedriger als sonst – und werden, so zeigt es die Erfahrung, in den nächsten Monaten weiter abnehmen, wegen der Osterferien und der vielen Feiertage. Außerdem, sagt Küpper, brauche das DRK eben auch Vorräte für besondere Notlagen, etwa ein Zugunglück mit vielen Hunderten Verletzten. Reserven aber gibt es schon jetzt kaum noch.

Das große Problem: Blutspenden sind nur begrenzt haltbar. Blutkonserven bleiben bis zu 42 Tage frisch, Blutplättchen maximal fünf Tage. Deshalb sei es wichtig, dass die Menschen kontinuierlich spenden, sagt Küpper. Von einer einzigen Blutspende profitieren übrigens bis zu drei Personen.

Nachwuchssorgen beim Blutspenden

Jede Bluttransfusion hat ein gewisses Risiko, vor allem wegen Infektionen. Forscher der Uniklinik Frankfurt arbeiten deshalb daran, den Bedarf zu senken – mit gezielter Behandlung der Risikopatienten vor einer OP und indem sie den Blutverlust während des Eingriffs minimieren. Dennoch: Bluttransfusionen werden immer gebraucht – künftig sogar noch mehr. Denn je älter die Menschen werden, desto häufiger werden sie krank und brauchen Bluttransfusionen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Spender: Sie dürfen in der Regel höchstens 68 Jahre alt sein. Nachwuchssorgen also auch beim Blutspenden.

Im Zentrum am Neumarkt macht es sich Mareike Wendler, 19, heute zum ersten Mal auf einer der Liegen bequem. Angst vor Spritzen habe sie nicht, sagt sie. Und gefragt, warum sie denn spenden wolle, überlegt sie kurz, antwortet dann: „Die Frage lautet für mich eher: Warum nicht?

Über den Autor

David Korsten

*1982, freier Autor und Journalist in Köln

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